27th Koblenz International Guitar Festival & Academy | 2. Juni – 10. Juni 2019

Pressespiegel 2008

 


Koblenz International Guitar Festival & Academy 2008

Ein Bericht von Thérèse Wassily Saba, Classical Guitar Magazine, März 2009

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An interview with LEO BROUWER and SHIN-ICHI FUKUDA

von Thérèse Wassily Saba, Classical Guitar Magazine, April 2008

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16th Koblenz International Guitar Festival

Artikel im Gendai Guitar, Tokio, Japan, August 2008

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Gitarristen stürmen Stadt

Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 02.05.2008,

KOBLENZ. Kurz vor dem Beginn des "Koblenz International Guitar Festival & Academy" am Montag, 5. Mai, ist der Anmeldeschluss vorüber, und die Teilnehmerzahl der Meisterkurse steht fest. Nach dem sensationellen Erfolg des vergangenen Jahres hat sich die Zahl der Gitarristen, Studenten und Musikliebhaber noch einmal erhöht. In diesem Jahr haben sich mehr als 200 Teilnehmer aus der ganzen Welt angemeldet, davon allein 80, die sich im renommierten Wettbewerb messen wollen. Das "Koblenz International Guitar Festival" gehört damit weiter zu den wichtigsten und größten Musikfestivals für das Instrument Gitarre weltweit.


Gitarrenfest beginnt heute

Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 05.05.2008,

KOBLENZ. Mit dem Konzert des polnischen Gitarrenstars Marcin Dylla um 20 Uhr in der Rhein-Mosel-Halle beginnt am heutigen Montag das 16. Internationale "Koblenz Guitar Festival". Bis zum 12. Mai gibt es viele Konzerte, dazu Meisterkurse und den renommierten Wettbewerb. Eine Besonderheit bei der aktuellen Auflage: die "Friday Night for Guitar and Orchestra") am Freitag, 9. Mai, ab 19.30 Uhr in der Rhein-Mosel-Halle. Mehrere Top-Gitarristen treten auf, darunter Shin-ichi Fukuda mit der Uraufführung eines Leo-Brouwer-Konzerts. Die Gitarristen werden von der Rheinischen Philharmonie unter der Leitung von Rasmus Baumann begleitet. Infos und Karten gibt es unter Telefon 0261/303 88 49.


Marcin Dylla eröffnet das "Koblenz Guitar Festival"

Bernhard Wibben, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 08.05.2008,

KOBLENZ. Das "Koblenz Guitar Festival" hat auch in seiner 16. Auflage weltweit magnetische Wirkung auf die Elite der Gitarristik und auf Musikstudenten von allen Kontinenten. Das Festival ist - vor allem dank des unermüdlichen Einsatzes von Cheforganisator Georg Schmitz - zum führenden Gitarrenfestival der Welt gereift. Zurzeit nehmen 188 junge Talente an den Meisterkursen und Workshops teil.
Diese Festivalatmosphäre knistert auch in der Rhein-Mosel-Halle. Der Kammermusiksaal ist am Montagabend erwartungsgemäß komplett gefüllt. Udo Liessem begrüßt in seiner Eröffnungsrede die Konzertgäste, die Freunde des Festivals und vor allem die Studierenden, ihre Dozenten und die Konzertierenden. Seine Frage nach dem, was Musik ist, beantwortet dann Marcin Dylla im nachfolgenden Solorecital. Musik ist, was begeistert, was "rüberkommt".

Dyllas Ruf ist ihm nach Koblenz vorausgeeilt. Und seine Spielkunst festigt die Überzeugung, dass er sicherlich zu den bemerkenswertesten Klassikgitarristen der Gegenwart gehört. Der 1976 in Chorzow (Polen) geborene Künstler spielt Gitarre seit er acht Jahre alt ist. Seine brillante Technik und seine filigranen Interpretationen haben bei renommierten Festivals seither immer wieder die Jurymitglieder überzeugen können.

Mit den ersten Tönen der Variationen über eine Scriabin-Thema von Tansman fühlt sich der Zuhörer bereits mitgenommen und geborgen in der Zauberwelt der Saitentöne, in der klanglichen Eleganz, mit der Dylla dieses Werk meditiert, in der der Rhythmus mit dem Puls mitgeht und der Harmonik verhaftet bleibt.

1929 schrieb der Mexikaner Ponce seine viersätzige Sonata Romantica als Hommage an Schubert. In Koblenz interpretiert Dylla das Werk - und muss den Vergleich mit Segovia nicht scheuen. Sorgsam und mit Esprit entwickelt Dylla das tänzerisch fröhliche Element, lässt Tonreihen fließen, versieht Dynamik und Temperament des dritten Satzes mit unermesslicher Spannung und macht die ganze Kraft des Allegro non troppo körperlich spürbar.

Mit frenetischem Beifall bejubeln am Ende des Konzertes die Zuhörer nicht nur die Interpretation dieses Stückes. Bei der "Music of Memory" von Nicholas Maw ist Dylla der sichere Dramaturg einer Musik, die ein Mendelssohn-Thema synthetisiert. Am Ende klingt dieses Thema in der Umsetzung durch Dylla - mit Verlaub - noch schöner.

Riesiger Beifall für den Künstler. Es gibt zwei Zugaben und die große Freude darüber, dass dieser begnadete Gitarrenmann ab September 2008 an der "Koblenz International Guitar Academy" unterrichten wird.


Genuss ohne Ende

Bernhard Wibben, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 08.05.2008,

David Russell begeistert beim Guitar Festival

KOBLENZ. Im Zusammenhang mit David Russell von Spieltechnik und Perfektion zu schreiben, ist müßig. Bei diesem Gitarristen der Gitarristen lässt man sich am besten hineinfallen in das, was sich unter seinen virtuosen Fingern musikalisch ereignet. David Russell ist seit einigen Jahren die Nummer eins der Gitarristik und ebenso seit einigen Jahren als Interpret und Dozent in seiner Meisterklasse beim Koblenz Guitar Festival dabei.

Nichts anderes als sein Saitenspiel steht im voll besetzten Kammermusiksaal der Rhein-Mosel-Halle im Mittelpunkt. In einer gitarristischen Lehrstunde reproduziert der Meister die Meisterkompositionen durch die Jahrhunderte mit einem derartig interpretatorischen Tiefgang, dass kaum jemand mehr sich vorstellen kann, was denn an musikalischer Entwicklung in den nächsten Jahren noch möglich ist. Die Demonstrationen des schier Unglaublichen gewinnen allein dadurch an Sympathie, das Russells Lächeln zwischen den Vorträgen sichtlicher Ausdruck der Freude über die Beifallsstürme der Zuhörer ist.

Die genießen sozusagen am laufenden Band: Julian Arcas Schönklänge etwa in der "Fantasy on Themes from La Traviata", garniert mit einer Unzahl von virtuosen Applikationen. Oder drei Pieces des Cembalo-Magiers Couperin, die Russell in seinen Transkriptionen für sich, die Gitarre und das Publikum verfügbar macht und damit die notierte Vorlage noch bereichert.

Sein Publikum liegt dem Saitenmagier Russell zu Füßen, als er Isaac Albeniz Ode an Mallorca oder Ayalas "Serie Americana" mit den charakteristischen Klängen und Rhythmen Südamerikas zelebriert. In seiner Programmauswahl stößt David Russell an keine Grenzen, stößt eher Begrenzungen um und ermöglicht das kreative Zusammenwirken traditioneller Klassik und moderner Musik. Loeillets "Suite I" mit Schreit- und Drehtänzen des französischen Barock kontrapunktiert der schottische Virtuose mit Ben Verderys "Now and ever" als kompositatorischem Widerstand gegen Sklaverei und Unterdrückung, den der Komponist für Russell geschrieben hat. Und am Ende, vor den vielen Zugaben, erklingen noch Roshegers Waltz No. 7 und auch das "Lullaby to Wake up with" als Schlaflied zum Wachwerden.

Unglaublich, was Russell spielt. Einfach genial. Danke dafür.

Bernhard Wibben


Gitarrengötter zeigen Humor

Michael Schaust, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 09.05.2008,

 

Aniello Desiderio und Zoran Dukic begeistern - Duett als Zirkusmusikanten

KOBLENZ. Mit einer meisterlichen Leistung war zu rechnen: Aniello Desiderio und Zoran Dukic sind Insidern wohlbekannt. Und beim Internationalen Koblenzer Gitarrenfestival spielen ja stets Spitzenkünstler. Und trotzdem schaffen es die Griffbrettartisten, das größtenteils fachlich beschlagene Publikum beim Konzert im Kammermusiksaal der Rhein-Mosel-Halle mächtig in ihren Bann zu ziehen.

Von der Renaissance bis zur Romantik galt die Gitarre als eines der beliebtesten Instrumente. Wie reichhaltig und vielfältig ihr heute etwas in den Hintergrund geratenes Repertoire ist, stellt Aniello Desiderio unter Beweis. Der "Melancholy Galliard" vom großen englischen Lauten-Maestro John Dowland verleiht der 1971 als Spross einer Musikerfamilie in Neapel geborene Virtuose die notwendige Ruhe. Leise, fast zaghaft tröpfelt Ton für Ton aus dem Schallloch der Gitarre. Er bleibt für einen Hauch einer Sekunde im Raum stehen - bis der nächste ihn ablöst.

Hier regiert Schwermut, der jedoch eine Prise Fröhlichkeit beigemischt wird. Überhaupt zeigt sich Desiderio, der bereits mit vier Jahren erste Zupfversuche unternahm, als ein Mann der Eingebung. Nicht nur bei der Auswahl der Stücke, die er kurzerhand etwas ändert. Seine beseelte Leichtigkeit in der Fingerfertigkeit des Saiten-Seins lässt ihn auch die schwierigen Stücke der "Five Bagatelles" von William Walton mit Bravour meistern. Seine ungeheuere technische Präzision, seine rhythmische Präsenz und Sicherheit, verbunden mit einer Dynamik, die besonders in Mauro Giulianis "Rossiniana" zum Tragen kommt, verleihen dem sich im Einzelvortrag eher introvertiert gebenden "Orpheus der Gitarre" die Fähigkeit, die frenetisch applaudierenden Zuhörer in magische Klangräume zu locken.

Auf ähnlich hohem Niveau, aber als ein ganz anderer Typ zeigt sich Zoran Dukic. Der 1969 in Zagreb Geborene gibt sich extrovertierter, benötigt keine Kurz-Meditationen vor dem ersten Lauf und ist gesprächiger. Der Kroate pflegt einen unaufdringlichen, noblen Gitarrenton. Intime Sensibilität prägen auch die leidenschaftlichsten Passagen. Mustergültig in dieser Hinsicht sind seine Interpretationen der "7 Capriches from Caprichos de Goya" von Mario Castelnuovo-Tedesco. Sein Fingersturm legt sich nicht selten ganz, so als entferne sich die Musik himmelwärts.

Im angenehmen Kontrast zum feierlichen "Ernst" des bisher Gebotenen steht das Finale, in dem beide Klasse-"Klampfer" zusammen "Zirkusmusik für zwei Gitarren" zelebrieren: vom argentinischen Messerwerfer über den Entenwettlauf, den Andenfloh bis zur Ural-Wunderstimme und den Donkosaken. Die Saiten tanzen Sirtaki, für Blues-Slidiges kommt das Feuerzeug zum Einsatz.

Köstlich.    Michael Schaust


Gitarristen brillieren mit Bach

Bernhard Wibben, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 10.05.2008,

Los Angeles Guitar Quartet spielte erstmals beim Koblenzer Festival

KOBLENZ. Der Erfolgsweg des Los Angeles Guitar Quartet ist lang: 28 Jahre gemeinsam auf der Bühne, mehr als ein Dutzend CDs, der Tonträger "Latin" nominiert für den Grammy in der Rubrik "Best Classical Crossover Recording" und 2005 dann der Grammy in genau dieser Sparte für "Guitar Heroes" - nur einige Stationen ihres musikalischen Erfolgs. Es entstand 1980 auf Anregung von Pepe Romero. Seither sind die Musiker John Dearman, William Kanengiser, Scott Tennant und der für den ausgestiegenen Andrew York seit 2006 mitspielenden Matthew Greif aus der Gitarristik nicht mehr wegzudenken. Sie sind Garanten für hoch qualifizierte Musik und leidenschaftliche Interpretationen, bei denen der Spaß am Musizieren eine große Rolle spielt.

Erstmals präsentierte nun das Koblenz International Guitar Festival am Donnerstag dieses hoch dekorierte Ensemble im Rahmen eines Kammermusikabends. Und dies mit einem interessanten und extravaganten Crossover-Klassik-Programm. Zunächst stellte das Quartett Traditionelles in den Vordergrund, beispielsweise Rossinis Ouvertüre zu "Il Barbiere di Siviglia " - mit vier Gitarren orchestral arrangiert in einem Feuerwerk von virtuosen Kapriolen und pulsierenden mitreißenden Rhythmen.

Grandios umgesetzt und erfrischend neu und irgendwie aufgepeppt erklang auch Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 6. Und das ganz so, wie Bach heute klingen muss: energisch, fließend, tiefgründig und einfach wunderschön. Einmal mehr zeigte hier das Los Angeles Guitar Quartet das sichere Gefühl, Sinn und auch Unsinn der Musik sowohl zu erspüren als auch zu ergründen und für die Zuhörer optimal, spannend und mit Empathie aufzuführen.

Die anschließend musizierten Four American Classics erwiesen sich als Kleinode der amerikanischen Klassik in Arrangements. Zumindest zeitweise stellte sich dabei das Gefühl ein, die Interpreten würden sich die Freiheit nehmen, in einem Konzert durchaus auch mal unter ihren Möglichkeiten zu spielen. John Phillip Sousas marschierendes schwarzes Pferd, Count Basies swingendes "Jumpin" at the Woodside" oder die Ode an den Shenandoah und dessen beschauliche Flusslandschaft und auch Aaron Coplands Rodeo und Squaredance-Impressionen in "Hoe-Down" verfehlten dennoch ihre Wirkung nicht und wurden vom Publikum bejubelt.

Absolut genial und angefüllt mit musikalisch überraschenden Miniaturen gelang den Musikern die Präsentation der Imagens de Brasil, in denen die Charakteristika brasilianischer Musik einem Reiseführer gleichen. Die Faszination des Landes etwa in Jobims "O Morrro Nao Tern Vez" oder die atemberaubende Ausgelassenheit im "Furiosa" von Bellinati waren Highlights der Gitarristik.

Bernhard Wibben


Musiknacht mit Weltpremiere

Bernhard Wibben, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 13.05.2008

Rheinische Philharmonie und Gitarrenhelden im optimalen Einklang

KOBLENZ. Welch eine Musiknacht: drei Stunden Klassik erster Güte, gespielt von optimal eingestellten Gitarrenhelden und einem souveränen Staatsorchester Rheinische Philharmonie, dessen Klang dank eines klaren und "beschwörenden" Dirigats von Rasmus Baumann nicht besser hätte sein können. Die "Friday Night for Guitar & Orchestra" beim "Koblenz Guitar Festival" hat in der Rhein-Mosel-Halle die mehr als 500 Besucher überaus freudig gefangen genommen.

Ozan Saritepe bestach in seinem zweiten großen Prüfungskonzert mit Orchester. Für die Interpretation des berühmten "Concierto de Aranjuez" von Joaquín Rodrigo, das er großartig auf der klanglichen Basis der Koblenzer Philharmoniker meisterte, erhielt er tags darauf sein Solistendiplom. Am Ende des langen Konzertabends zelebrierte Gitarrist Alvaro Pierri aus Uruguay zwei Konzerte: Heitor Villa-Lobos" "Konzert für Gitarre und kleines Orchester" und das "Concierto del Sur" von Manuel Ponce. Pierris feinsinnige Paraphrasierung und das perfekte Zusammenspiel von Solist und Orchester machten beide Werke zu einem Hochgenuss.

Höhepunkt der "Guitar Night" war aber die im Zentrum des Abends platzierte Weltpremiere von Leo Brouwers "Concerto da Requiem". Vor der Uraufführung hatte Brouwer per SMS gutes Gelingen gewünscht. Am Ende hatten die Zuhörer das sichere Gefühl, dass die dreisätzige Komposition zu den wichtigsten und spannendsten Tonschöpfungen des Jahrzehnts gehören wird. Brouwer thematisiert Sterben und Tod: Das Requiem, das er seinem verstorbenen Freund - dem Gitarristen und Komponisten Toru Takemitsu - schrieb, ist kompositorische Urgewalt, angefüllt mit Elementen, die Brouwer vor allem in den 50er- und 60er-Jahren in seinen Werken aufbereitete.

Beeindruckend inszenierte Solist Shin-ichi Fukuda mit den Philharmonikern das Hin- und Hergeworfensein zwischen der Wut auf den Tod und dessen Unabänderlichkeit. Auf sinfonische Auftakte folgt mit dem Paukenschlag offene Akkordik. Melancholische Melodiefetzen treffen auf in sich zusammenbrechende Harmoniegebäude. Furiose Gitarrensoli werden ausgebremst durch Paukenschläge, die das Ende des irdischen Daseins markieren. Dazwischen breiten sich in Rhythmik und Klang Trauer und hoffnungslose Verzweiflung aus. Aber auch versöhnliche Elemente haben Raum. Ein Werk, das lange nachwirkt - und manchem an diesem Abend den Atem und die Worte verschlagen hat.

Bernhard Wibben


Barrueco spielt Frühsommer ins Herz

Bernhard Wibben, Rhein-Zeitung - Ausgabe Koblenz Stadt vom 13.05.2008

KOBLENZ - Der Kammermusikabend des "Koblenz Guitar Festival" fing am Samstagabend zehn Minuten später an - wegen des großen Andrangs.

Die vielen Musikfreunde wollten sich den Kubaner Manuel Barrueco (Gitarre) im Zusammenspiel mit dem mexikanischen Streicherensemble Cuarteto Latinoamericano nicht entgehen lassen.

Hochkarätiger kann die Veranstaltung nicht besetzt werden, wenn es um lateinamerikanische Musik geht. Barruecos Name steht für herausragende Gitarristik, von der man sich bereits bei den Festivals der vergangenen Jahre überzeugen konnte. Die Brüder Saúl, Alvaro und Arón Bitrán geben seit 1982 mit Javier Montiel als Quartett Konzerte in der ganzen Welt und erhielten 2002 eine Grammy-Nominierung.

Der überwiegende Teil des Programms wird bestimmt von Klängen, die passend zum frühsommerlichen Wetter ihre Wirkung nicht verfehlen. Carlos Guastavinos "Las Presencias no. 6" sprüht vor Fröhlichkeit. Freudig geht in der traditionellen Harmonik der Dialog zwischen Gitarre und Cello über in ein Zwiegespräch der Gitarre mit den Geigern. Hervorragend setzen die fünf Musiker die Echoisierungen um. Auch das Quintett "Fandango" für Gitarre und Streicher von Luigi Boccherini gelingt in bestechender Weise. Vor allem der bedächtig schreitende, sanftmütige zweite Satz "Pastorale" beeindruckt vor dem Hintergrund, dass der abschließende dritte Satz nach dem schwermütigen Grave in einen furiosen Fandango mündet. Und auch das vom Cuarteto gespielte Werk "Metro Chabacano" von Javier Alvarez ist glänzend inszeniert. Auf pulsierendem Rhythmus tummeln sich Har-monie- und Melodiefetzen, liieren zu einer an Atemlosigkeit grenzenden Dynamik.

Solistisch zeigt Barrueco mit "La Catedral" von Barrios seine überragenden Fähigkeiten. Unter seinen Fingern entfaltet die Komposition ihre volle Schönheit. Barrueco und das Quartett halten eine weitere Überraschung bereit. Dieses Jahr spielen sie auf Weltpremiere-Tour die "Inca Dances" von Gabriela Lena Frank. Im Gitarrenintro drängen Melodik und Rhythmik darauf, die inhärente Spannung aufzulösen. Erst im zweiten Teil entwickelt sich nach dramatischen diabolischen und kämpferischen Streichertiraden Besonnenheit, die in einem fulminanten Schluss begründet wird.

Am Ende dann die Tangos von Piazolla. Der Jubel der Zuhörer will kaum enden. Applaudiert wird auch den beiden jungen Interpreten, denen an diesem Abend das Solistendiplom verliehen wird: Russell Poiner (England) und Ozan Saritepe (Türkei).

Bernhard Wibben


Lehrer fasst junge Talente ins Auge

Michael Schaust,  13. Mai 2008

Der Nachwuchs wird im viertägigen Kurs des "Koblenz Guitar Festival" speziell gefördert - Musik als Teil der Lebenserziehung: Rücksicht und Ehrgeiz

Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Das wissen gerade Lehrer und Saitenvirtuosen. So ist seit 2004 die Förderung von (ganz) jungen Talenten ein wichtiger Bestandteil des Koblenzer Gitarrenfestivals: ein idealer Rahmen, kann der Nachwuchs dort schließlich auch die Großen des Genres live miterleben.

KOBLENZ. Es ist der erste von vier Tagen für die 6- bis 14-Jährigen. Manche sind sehr gespannt, was bis Pfingstmontag auf sie zukommt. Denn einige der 13 Jungen und Mädchen aus der gesamten Republik sind zum ersten Mal bei "Gitarre für Kids" zugegen, dem Förderkurs des Koblenzer Gitarrenfestivals für junge Talente. Günter Schillings heißt sie alle willkommen und nimmt den Neulingen mit seiner lockeren, freundlichen wie bestimmten Art die Unsicherheit. "Hier geht es familiär zu. Es gibt kein Trimmen auf Leistung. Die Motivation der Schüler ist das Wichtigste", erklärt der niederrheinische Gitarrenlehrer. Er ist zum fünften Mal für die spezielle Betreuung des Nachwuchses verantwortlich.

"Wir wollen ja nicht nur für die Älteren, für die Studenten da sein. Die Dinge an der Basis dürfen auf keinen Fall vernachlässigt werden", sagt Schillings. Bei allem Spaß und aller spielerischen Vermittlung von Techniken und individuellen Hilfestellungen bedeutet dieser Kurs für die Kinder Arbeit - jeden Tag von 10 bis 18.45, bei anderthalb Stunden Mittagspause. Wer möchte, darf natürlich auch die Konzerte der Asse und Meisterschüler miterleben. "Da kommt es schon vor, dass einige trotz Begeisterung und Neugierde einschlafen."

Schillings hat in den vielen Jahren seiner Lehrtätigkeit ein Händchen dafür entwickelt, die Potenziale jedes Schülers auszuloten und ihn individuell zu fördern. Wer will, der kann auch in Koblenz sehr exakt arbeiten. Die pädagogische Devise lautet: Musik ist Teil der Lebenserziehung. Rücksicht nehmen und Ehrgeiz entwickeln schließen sich nicht aus. Fehler machen dient dazu, sich zu verbessern. Und der Wille dazu sei bei allen vorhanden, Fortschritte gebe es schon recht schnell. "2007 war Viktor (6) erst vier Monate mit der Gitarre vertraut - und schon in Koblenz dabei."

Auch für Lennart ist der Kurs nichts Neues. Der Elfjährige, ein Eleve Schillings von der Musikschule Wesel, ist bisher jedes Mal mit von der Partie. 2001 griff er zum ersten Mal in die Saiten. Die Gene sind wohl "schuld": Der Opa hat"s mit der klassischen Gitarre, Mutter wie Schwester spielen Klavier und Geige. Seit einem Jahr bläst er auch ins Horn, spielt schon E-Gitarre, liebt wie sein Vater Queen, schwimmt und frönt dem Handballsport. Mit Kumpel Sebastian (10) hofft Lennart auch beim offiziellen Abschlusskonzert wieder als Duo auftreten zu können.

Eins von drei Mädchen ist Simone. Die Anregung zur Teilnahme kam von der Musikschule Koblenz. Die Elfjährige aus Arenberg hatte sich wie ihr 14-jähriger Bruder Karsten durch gute Leistungen empfohlen. In der Hilda-Schule singt sie im Chor und ist schon in der Uni bei Geburtstagen mit der "Klampfe" aufgetreten. Den Kurs findet die Leseratte und leidenschaftliche Briefschreiberin zwar anstrengend. "Aber er bringt mir auch viel."

Außer der eigenen Verbesserung gilt es für die Schüler Punkte zu sammeln. Wer fünf Durchgänge mit richtiger Haltung bis exaktem Wechselschlag hinbekommt, dem winkt auch ein gesponsertes Getränk von Schillings. Wer patzt, der macht Liegestütze. Der Lehrer, der mit 15 die 100 Meter in 11,2 Sekunden gesprintet ist, gibt hier gerne den Vorturner.

Michael Schaust


Temporeiches Spiel

Bernhard Wibben, Rhein-Zeitung vom 15. Mai 2008

 

Pavel Steidl beim Koblenzer Guitar Festival

KOBLENZ. Pavel Steidl zählt weltweit zu den bekanntesten Gitarristen. 2003 stellte das italienische Gitarrenmagazin "GuitArt" ihn in die Reihe der acht wichtigsten Gitarristen des Jahres. Seine Matinee beim Koblenzer Guitar Festival war dementsprechend auch ausverkauft und er bestens aufgelegt. Das Publikum registriert die Virtuosität Steidls jedoch genauso stark wie seine Gestik und Mimik, mit der er seine Werke zugleich schauspielert. Dabei ist Steidl kein Musikclown, den Kompositionen fühlt er sich verpflichtet. Aber Pavel Steidl lacht und trauert mit der Musik, und sein Publikum trauert und lacht mit ihm. Und das bei aller Ehrfurcht vor der Klassik.

Steidl zelebriert vor allem den Klang, gibt jeder Note ihren bedeutsamen Platz, selbst beim flinken Flug der Finger über das Griffbrett. So wird die "Music of Bohemian Aristocrats" zu einer fröhlichen und froh machenden Musik. In den romantischen Stücken von Johann Kaspar Mertz malt der Virtuose die Unendlichkeit der Klangfarben in die Herzen seiner Zuhörer. Begeistert folgt das Publikum auch der Darbietung der "Hommage a Jimi Hendrix" von Carlo Domeniconi. Mit Akribie setzt der Gitarrist die Miniaturen aus Hendrix-Originalen in Beziehung zu dem, was der Komponist ehrerbietig dem Adressaten hinzudichtet. So kreativ wie die Vorlage ist die musikalische Umsetzung - auch die der Rock und Bluesfiguren. Und hin und wieder wird dabei der Kammermusiksaal der Rhein-Mosel-Halle zur legendären Woodstock-Bühne.

Steidl gibt Rock und Pop mehr Raum als erwartet. Seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Jana Obrovska bringt den Saal zum Kochen. Der kongenialen Meditation mit weniger Tönen als Ausdrucksmöglichkeiten folgen gleißende Hochtempopassagen, bei denen auf pulsierenden Rhythmen mit einem absolut mitreißenden Drive. Klänge entstehen, die hineinreißen in einen wilden Strudel der Begeisterung.

Am Ende will man den Mann, der Musik im wahrsten Sinne "verkörpert", nicht von der Bühne lassen. Frenetischer Jubel. Zugabe um Zugabe. Es wird gemunkelt, dass Steidl auch 2009 wieder beim Festival zu hören ist. Gut so!

Gut auch für die, die in seine Fußstapfen treten wollen. Denn beim International Koblenz Guitar Wettbewerb "Hubert Käppel" 2008 wurden zwar weder ein erster noch ein dritter Preis vergeben. Über den zweiten Platz und über je 1000 Euro können sich aber die beiden jungen Musiker Anatoly Izotov (Russland) und Kyuhee Park (Korea) freuen.

Bernhard Wibben

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